Presse

Frechener Wochenspiegel Okt. 1992

Ein Spiegel der Seele

Sven Kehm (24) überrascht mit seinen bizarren Werken

Frechen – Man muß schon Geduld haben, wenn man die Bilder von Sven Kehm entdecken will. Fast unendliche Geduld, denn immer wieder findet sich Neues.Ungesehenes, winzige Details, die die Werke ergänzen, die Aussage verschieben und dem Betrachter andere Wege erschließen in das Leben des Künstlers.Denn was der 24 jährige im Frechener Stadtsaal ausstellt, ist ein Teil seiner Selbst.„Jedes Mal, wenn ich einen Blick auf die Bilder werfe, ist es wie ein Blick in einen Spiegel, ich habe da ein Stück meiner Seele gemalt.Erst vor zwei Jahren hat er mit der Malerei begonnen, ohne große Kunsttheorie im Hinterkopf. Es war eine Berufung, der Kuß der Muse kam quasi über Nacht.Einzig die Vielfalt seiner Phantasie bestimmt seine Werke. Und die ist beträchtlich.Mit 170 Exponaten ist die Werkschau von Sven Kehm ohne Zweifel die größte Einzelausstellung, die bisher im Frechener Stadtsaal gezeigt wurde.Schon die Hängung ist abenteuerlich. Ruhige, ausgewogenen Werke sind neben wilden, hektischen Bildern gruppiert.Grenzen oder Schaffensperioden sind nicht, wenn bei einem so jungen Künstlerleben überhaupt denkbar, auszumachen. Der einzige Leitfaden, der dem Betrachter bleibt, ist die Gewissheit, dass Sven Kehm in den Bildern seiner Gefühlswelt eine Form gegeben hat.Dabei haben die Träger, die er als Grund für seine gefühlvollen Phantasien wählt, stets eine eigene Geschichte zu erzählen.Bereits die bizarren Titel „Schock der Geburt“, „Die letzten Sekunden des Astronauten auf dem Planet Ikarus“, „Vorhang auf zur großen Genshow“, lassen die intensive Auseinandersetzung mit dem Leben erahnen.Mit anderen Künstlern hat Sven Kehm wenig am Hut „ich habe keine Vorbilder und keinem was abgeguckt!“Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Oktober im Stadtsaal Frechen zu sehen.Den Namen Sven Kehm werden Kunstfreunde sich auch nach diesem Termin merken müssen.

Kölner Stadtanzeiger 1992 von Ilona Priebe

Meeresgötter, Schlangentanz

Kunstverein organisiert erste Ausstellung des Kölner Künstlers Sven Björn Kehm

Frechen – Phantasie kennt keine Grenzen.Das jedenfalls beweisen die Werke des 24 jährigen Kölner Künstlers Sven Björn Kehm, die im Frechener Stadtsaal zu besichtigen sind.Viele Details laden dazu ein, sich in die Bilder zu vertiefen.Dann ist zu erkennen, dass sich die einzelnen Gestalten und Gebilde aus hunderten von winzigen Zellen zusammensetzen, und keine gleicht der anderen.Unzählige Arbeitsstunden stecken in jedem Objekt.Sven Kehm malt „ Seelenbilder“ , wie er selbst sagt.“ Wenn ich meine Bilder anschaue so blicke ich wie in einen Spiegel. Jede Zelle steht für ein Verhaltensmuster.“Daher drücken sie auch verschiedene Gefühlswelten aus.Mal sind es meditative, ruhige Formen in Blau, mal schrille agressive Farbtöne in Gelb.Aus verschiedenen Blickwinkeln entstehen neue Motive, neue Gesichter.Häufig sind es Wesen aus einer fernen Welt, wie in „Kurzweile treibt umher- Schlangentanz“ oder „Meeresgötter Gruppenbild“.Neben solch unbeschwerten Themen stehen andere, die nachdenklich stimmen:Ängste, der Tod oder eine Umweltkatastrophe.Die Materialien, die Sven Kehm verwendet, haben oft eine eigene Geschichte zu erzählen,wie die Auto-Teile seines Objektes „Drink, don`t drive“ .Der Mund dieses „Roboters“ war einmal ein Handschuhfach.Gerne verwendet er auch Recyclingpapier. Bei den Farben und den Techniken begegnet einem alles zwischen Tusche, Farbstiften, Lacken, Kreide und Kugelschreiber.Vor ca. 2 Jahren erst hat der Autodidakt quasi „über Nacht“ angefangen zu malen, über 170 Werke sind in dieser kurzen Zeit entstanden, an vielen hat er wochenlang gemalt.Dabei ist „nichts abgeguckt“, wie er betont, sondern „alles in meinem Kopf geboren“.Bei der Vernissage am Donnerstag hob Josef Schmitz-Helbig, Vorsitzender des Kunstvereines zu Frechen, hervor, dass der junge Künstler der erste im Kunstverein sei, der eine Einzelausstellung erhalten habe, ohne dass es auf einen langen künstlerischen Werdegang zurückblicken könne und ohne vorher bereits ausgestellt zu haben.In das Werk stimmten die ebenso phantasievollen Klänge der Band „ Holiday for Strings“ ein.Die Ausstellung mit dem Titel „ Opulenta Infernale“, der an die zuende gegangene Dokumenta erinnern soll, ist bis Freitag, 16 Oktober im Frechener Stadtsaal zu sehen

Kölnische Rundschau 1992 von Tasso Diedrich

Im Labyrinth des Alltäglichen

Sven Björn Kehm aus Köln stellt sich mit Bildern und Objekten im Stadtsaal Frechen vor.

Frechen- Stadtsaal Frechen. Eröffnung einer Ausstellung. 130 Exponate in einem kahlen Raum, einige auf dem Boden. Die Besucher unterhalten sich. Tja, was soll das nun sein?Sieht aus wie…- wie Müllkunst, oder so. Irgendwie mikrokosmisch.Da sehe ich Alufolie, und dort Pappmachè – das ist wie ein Altar.Obenauf eine Krone, weiter unten sind Tiere. Ein Löwengesicht. Beine, ein…Totem?!Oh je schwierig, schwierig. Also dann, hin zum „Produzenten“ und ihn gefragt; er muß es ja schließlich wissen.Sven Björn Kehm, 24 jähriger Künstler aus Köln, muß aber selbst auch passen. Er wisse nicht, was das für ein Stil sei, und was er damit genau beabsichtige. Er male halt einfach..Er setze sich hin, und lasse dem, was da auch immer seine Finger bewege, freien Lauf…Lehrer? Kunstunterricht? Nee, auch nicht. Autodidakt sei er…..( )Die „Seelenbilder“, wie Kehm seine Ölbilder, Zeichnungen und Plastiken nennt, sind äußerst assoziationsreich. Sie stellen nichts „Reales“ dar, sie entfremden und verwirren, indem sie mit bestimmten grafischen Komponenten, – meist labyrinthartige Striche, Kreise und Rechtecke – eine Art Landschaft aufbauen.Das hat teilweise etwas natürliches, warmes, und teilweise etwas verrücktes, visionäres.Weiterhin gibt es Farbcollagen zu entdecken, bei denen Rottöne und eher ins mattere gehende Farben bevorzugt werden.Der dritte Bereich der Ausstellungsstücke sind die Plastiken, die eigentlich keine sind, da es sich hier um bemalte Gegenstände des alltäglichen Lebens handelt. Hocker, Tische, Kisten, Kotflügel, Radkappen………..

Kölnische Rundschau Dez. 2003 von Hanna Styrie

Weitsicht über und unter dem Rhein

Das Kunstprojekt Z Null beschließt den Zyklus „Zwischen den Jahrtausenden“

Schon von weitem sieht man die weißen und gelben Fahnen auf der Deutzer Brücke im Wind flattern.Das Kunstprojekt Z Null hat zum „Silbentanz“ über dem Rhein aufgerufen….( ) Im Inneren der Brücke setzt sich die Kunstaktion fort, die am 27. Dezember 1991 ins Leben gerufen wurde.Auf 13 Jahre war der Zyklus “Zwischen den Jahrtausenden“ angelegt, der nun mit einer Präsentation zum Thema “Übergang“ folgerichtig in einer Brücke endet.Quintessenz und Ausblick will das Ausstellungsfinale sein, an dem jene 28 Künstler beteiligt sind, die mit Initiator und Kurator Thomes Behrendt starteten und seither alljährlich an wechselnden Orten „ zwischen den Jahren“ eine Schau organisierten.Ihr Anliegen war das „ Hineinhorchen in die Zeit“; die stete Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.Eine Dreiteilung bestimmt auch die letzte Ausstellung.„Trennung“ ist das Thema im ersten dunklen Brückenbogen….( )Gleich am Anfang zieht Jo Pellenz Schwarzlichtinstallation die Blicke auf sich. Wie von Geisterhand bewegen sich die aufgenähten Fische zu einem Sound von Sven Kehm.„Akustische Malerei“ nennt der Künstler seine Arbeit…( )

Musterwerke der Ewigkeit

VON JUTTA EILEEN RADIX,Kölner Stadtanzeiger 26.04.04

Froschlaich, Eier, Kreaturen aus dem Weltraum – überall in der Wohnung des Malers Sven Kehm finden sich seine bevorzugten Motive.

Altenberg – In seiner Kindheit, so schildert es der 36-Jährige, lag er mit Lungenentzündung im Koma und hatte währenddessen Visionen, Traumbotschaften, die „den Grundstein für sein späteres künstlerisches Schaffen“ legten. Im Jahre 1989 setzte Sven Kehm dann diese Traumbilder – für ihn teils archaische Sinnbilder, teils Comic-Figuren – erstmals mit Farbe um, die Wände seines Zimmers erlebten seine ersten Versuche, mit Edding, Wasserfarbe, Resten von Dispersions- oder Ölfarbe das auszudrücken, was er „sah“.

KULTUR IN PERSON

Von diesem Moment an war für Kehm klar, dass er malen wollte, ja malen musste. „In mir drin sind soviele Sachen, Armeen von Figuren, Dinge, die ich sehe, das muss einfach alles raus.“ Vielleicht, so Kehm, sehe er auch anders als andere Menschen, „rastermäßig und in Strukturen“. Diese Strukturen hat Kehm nicht nur auf Leinwand künstlerisch umgesetzt: Er hat schon Hemden bemalt, Autoteile in Mikrowelten verwandelt, und seine Wohnung hinter dem Altenberger Dom zu einer psychedelisch bunten Welt gestaltet, die von wunderlichen Wesen bevölkert ist.

Stigmata an den Händen

Kehm liebt die wiederkehrenden Strukturen, und seine Werke setzen sich meist aus kleinen, immer wiederholten Motiven zusammen. „Möglicherweise sehe ich in diesen Mustern eine Art Ewigkeit“, spekuliert der Künstler, „alle meine Wesen tragen Stigmata in den Händen.“ Vielleicht sind auch ganz körperliche Gefühle ein Grund für seine Art zu malen und zu sehen: Bei Kehm liegen die Organe im Bauch verkehrt herum, also das Herz auf der rechten Seite und alle anderen Organe ebenfalls spiegelverkehrt. „Mag sein, dass ich deswegen sehr stark auf unsere verkehrte Welt reagiere“, vermutet Kehm, „vieles an unserer Umgebung ist doch bekloppt“, findet er.

Eigensinniger Autodidakt

Von Anfang an hat sich Kehm gegen Beeinflussungen gewehrt, ist erklärter Autodidakt, der allenfalls Paul Klee einen gewissen Einfluss auf seine Malerei einräumen mag. „Ich habe schon früher darauf bestanden“, sagt er, „ohne Bücher über Malerei zu arbeiten, für mich ist Malen fast ein automatischer Akt.“ Während der Arbeit hört Kehm auch häufig Independent-Musik, Bilder tragen dann zuweilen den Titel des Songs, bei dem sie entstanden sind. Aber auch mit Klangcollagen experimentiert er, einer Art Hörspiel aus Satzfetzen und Musik, die er zu einer Geschichte verwebt.

„Meine Malerei wird zunehmend dreidimensionaler. Ich arbeite mit Acrylfarben, aber lasierend, so dass eine Tiefe entsteht“, beschreibt Kehm seine Entwicklung. In seinen Anfängen nahm der Künstler, was sich gerade bot, um seine winzigen Punkte und immer wieder anderszusammengesetzten Spiralformen und fantastischeWesen zu malen: Gab es gerade nichts anderes oder wardas Geld knapp, malte Kehm eben mit Farben, die er im Sperrmüll fand.

In seiner Atelier-Wohnung will er sich auch selbstbeibringen, dass die Dinge endlich sind – seinMietvertrag läuft nur noch eineinhalb Jahre, undspätestens dann werden die Kunstwerke an Decken,Wänden und Böden der Wohnung verschwinden. „Das istfür mich immer schon schwer zu begreifen gewesen“,gesteht der Künstler. Zunächst aber will er seine Werkeder Öffentlichkeit zeigen. Dafür will er auch die Türen zuseiner Atelier-Wohnung öffnen. Das schon sehr bald: AmSamstag, 8. Mai, um 15 Uhr erwartet Sven Kehm dasinteressierte Publikum in seinem Reich amMärchenwaldweg 1. Die Ausstellung trägt passend zuseinen Bildern den Titel „Phase I All Eins“. WeitereAusstellungen des Künstlers sollen in halbjährigemRhythmus folgen.